Bio-Baumwolle


Wir haben uns gefragt, was ist eigentlich Bio-Baumwolle? Was kann sie? Was kann sie nicht? Also haben wir uns auf die Suche nach Antworten gemacht und stellen die Bio-Baumwolle vors Mascherl.  

Was bedeutet Bio-Baumwolle?
Für Bio-Baumwolle gibt es genauso wie für andere Bio-Produkte Richtlinien die einen ökologischen Anbau garantieren. Chemische Düngemittel und Pestizide sowie gentechnisch veränderte Pflanzen sind nicht erlaubt. Um jedoch eine gute und stabile Fruchtbarkeit des Bodens zu ermöglichen, verwenden Bauern Kompost und Mist.  Dadurch erhöht sich der Humusanteil und der Boden kann so mehr Wasser und CO2 speichern. Außerdem gibt es einen verpflichtenden Fruchtwechsel. Das bedeutet, dass nicht jedes Jahr Baumwolle auf demselben Feld angebaut werden darf, sondern nur im Wechsel mit anderen Kulturen. Das alles führt dazu, dass der Boden weniger leicht für Erosionen anfällig ist. Auch die gleichzeitige Aussaat von anderen Pflanzen ist förderlich. So ziehen zum Beispiel Sonnenblumen, die um Baumwollfelder gepflanzt werden, Schädlinge an, die sonst die Baumwollpflanzen befallen würden. Vögel, Marienkäfer, Spinnen, Käfer und dergleichen sind die natürlichen Feinde der Schädlinge. Indem keine chemischen Pestizide verwendet werden, siedeln sich diese natürlichen Feinde wieder an und bekämpfen die Schädlinge auf ökologische Art und Weise. Auch chemische Entlaubungsmittel zur Vereinfachung der Ernte sind verboten. Daher wird Bio-Baumwolle von Hand geerntet.

Wie funktioniert die Zertifizierung?

Wer seine Baumwolle als bio, öko, biologisch, ökologisch, kontrolliert ökologisch, kontrolliert biologisch, biologischer Landbau, ökologischer Landbau, biologisch-dynamisch oder biologisch-organisches Produkt verkaufen möchte, muss sich an die erwähnten Richtlinien halten. Unabhängige Zertifizierungsstellen kontrollieren die Einhaltung regelmäßig vor Ort. In der EU regelt die Verordnung (EG) Nr.834/2007 die Vorgehensweise. In anderen Ländern (zB USA, Japan) gibt es ähnliche Verordnungen und auch eine internationale Zertifizierung, GOTS, existiert. 

Bio-Baumwolle garantiert jedoch nicht, dass auch die Weiterverarbeitung ökologisch ist. Um sicher zu gehen, dass das Kleidungsstück auch wirklich ökologisch ist, muss man auf weitere Zertifizierungen achten. Das GOTS Zertifikat ist hier ein guter Tipp. GOTS verlangt, dass die gesamte Bearbeitungs- und Fertigungskette den Richtlinien entspricht und alle Betriebe die an der Produktionskette beteiligt sind, regelmäßig kontrolliert werden.



Ist Bio-Baumwolle auch fair?

Bio-Baumwolle bedeutet nicht gleich faire Baumwolle. Jedoch bietet Bio-Baumwolle auch gewisse soziale Verbesserungen für Bauern. Statt mit chemischen Düngemitteln zu arbeiten, die einerseits ihre Gesundheit gefährden und viel Geld kosten, verwenden sie ihren hofeigenen Mist und Kompost. Bio-Ware erzielt im Schnitt auch deutlich bessere Preise. Der Frurchtwechsel führt weiters dazu, dass Bauern Bio-Produkte für den Eigenbedarf oder zum Verkauf anbauen können und sich dadurch unabhängiger von Baumwolle machen.

Um jedoch sicher zu gehen, dass Bauern wirklich fair behandelt werden, gibt es eigene Zertifizierungen, wie zum Beispiel das FAIRTRADE Zertifikat.



Was ist eigentlich mit den Kunstfasern?


Mehr als die Hälfte aller Kleidungsstücke weltweit wird aus synthetischen Fasern gefertigt. Mittlerweile gibt es auch hier umwelt- und gesundheitsfreundliche Produktionsmethoden wie zum Beispiel der Verzicht auf schädliche Chemikalien. Obwohl synthetische Fasern aus Erdöl gewonnen werden und einen hohen Energiebedarf bei ihrer Herstellung haben, gibt es auch Vorteile im Vergleich zur Baumwolle. Beim Anbau von Baumwolle wird bis zu 25mal mehr Wasser benötigt als bei der Herstellung von Polyester. Außerdem besetzt Baumwolle fruchtbare Böden, die für den Anbau von Nahrungsmittel verwendet werden könnten. Ob diese Vorteile, Erdöl und den hohen Energieaufwand wieder gut machen, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Das Outdoor-Sportunternehmen Patagonia hat sich zum Beispiel gedacht, wenn schon Kunstfaser, dann wenigstens recyceltes.  Sie produzieren ihre Fleecejacken und Funktionsunterwäsche aus recycelten PET-Flaschen.
 
Nicht nur Baumwolle?
Den Nachteil den Baumwolle hat, selbst wenn sie bio ist, ist dass sie sehr anspruchsvoll ist. Sie braucht viel Wasser und gute Böden sowie ganzjährig warme Temperaturen. Daher ist auch ein Anbau in Österreich nicht möglich. Baumwolle muss importiert werden und weite Transportwege fallen bei jedem Kleidungsstück an.

Regionale Alternativen sind Bio-Hanf und Bio-Leinen. Diese Pflanzen sind robuster, benötigen wenig Wasser, kommen mit kargem Boden und unserem Klima klar. Man kann aber auch auf tierische Produkte wie Schafswolle oder Seide zurückgreifen, die genauso biologisch hergestellt werden können.

Lein
Hanf







Leinfaser
Hanffaser


Und jetzt?

Wie ökologisch ein Kleidungsstück aus Bio-Baumwolle im Endeffekt ist, hängt schlussendlich auch vom Endbesitzer hab. Wie oft das Kleidungsstück gewaschen wird, welches Waschmittel verwendet wird und wie es getrocknet wird, sind ausschlaggebend. Ganz allgemein gilt jedoch, das ökologischste Kleidungsstück ist immer das, das am Längsten getragen wird.
– Manuela

Links zum Weiterlesen:
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